Tierisches/Menschliches: Kunst von Deborah Sengl

Deborah Sengl: Die Löwin - als Raubtier - ertarnt sich die begehrte Beute, 2004, Foto: Mischa Nawrata (c) Sammlung Essl Privatstiftung

Deborah Sengl: Die Löwin – als Raubtier – ertarnt sich die begehrte Beute, 2004, Foto: Mischa Nawrata (c) Sammlung Essl Privatstiftung

Ihr „Löwenzebra“ blickt momentan von den Ausstellungsplakaten des FESTIVAL DER TIERE und auch in der Ausstellung selbst ist Deborah Sengls „Die Löwin – als Raubtier – ertarnt sich die begehrte Beute“ (2004)“ bereits im ersten Raum präsent und „lauert“ dort im gestreiften Zebrafell auf die Besucher des Essl Museums.

Im Vorfeld der Ausstellung hat die Kunstvermittlung gemeinsam mit Kindern Werke mit Tiermotiven aus der Sammlung Essl sondiert und sie eingeladen, alle Texte zu den Arbeiten zu verfassen. Die Kinder durften sich dabei ihre Lieblingsmotive aussuchen. Unter den Motiven die von den Kindern ausgewählt wurden, steht unangefochten die „Zebralöwin“ an der Spitze, die trotz oder gerade wegen ihres erschreckenden Raubtier-Charakters eine große Faszination ausübt.

Deborah Sengl, von der 3 weitere Arbeiten in der Ausstellung zu sehen sind, beschäftigt sich seit Jahren mit Tarnung und Täuschung und der Frage nach Identität und Rollenverhalten in der menschlichen Gesellschaft. Diese Fragestellungen wendet sie wiederum auf das Tierreich an – durch diese Abstraktion wirkt Deborah Sengls Gesellschaftskritik noch scharfzüngiger, aber immer auch mit einem augenzwinkernden Humor versehen, der dazu anhält, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Aufgrund des Themas von Deborah Sengls Arbeit lag es nahe, sie auch einzuladen, einen Atelierbesuch mit Kindern zu gestalten. 7 Kinder haben in Begleitung des Kunstvermittlungsteams die Künstlerin an zwei Nachmittagen in ihrem Atelier besucht und mit ihr gemeinsam Masken gestaltet. Zum Nachlesen gibt es die Gespräche, die die Kinder mit Deborah Sengl geführt haben, dann im Ausstellungskatalog, der im April erscheinen wird.

Im Vorfeld haben wir mit Deborah Sengl kurz über ihre Arbeit, den Umgang mit Tierpräparaten und die Zusammenarbeit mit den Kindern in den Atelierbesuchen gesprochen:

Woher kommt Ihr Bedürfnis, sich mit dem Thema „Tarnen und Täuschen“ in der Tierwelt zu beschäftigen?

Portrait Deborah Sengl (c) Ingo Pertramer

Portrait Deborah Sengl (c) Ingo Pertramer

Deborah Sengl: Tiere faszinieren mich seit meiner frühesten Kindheit. Nach meiner Matura habe ich – neben der Kunst – auch einige Semester Biologie studiert.

Beruflich habe ich mich für den künstlerischen Weg entschieden. Die Tiere habe ich aber thematisch in meine Arbeit mitgenommen. Ich beschäftige mich schon einige Jahre mit gesellschaftlichen Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnissen.

Was wir im Tierreich unter dem Begriff „Mimikry“ kennen, ist ein Phänomen, wo Täter die äußere Erscheinung ihrer Beute annehmen, um diese geschickt zu überwältigen. Wir Menschen betreiben diese Maskerade permanent. Egal ob im Beruflichen oder im Privaten, versuchen wir stets unserem Gegenüber zu gefallen und dieses für unsere Zwecke zu manipulieren. Durch die Darstellung von Tieren möchte ich metaphorisch auf diese menschlichen Verhaltensmuster aufmerksam machen.

Wie sieht der respektvolle Umgang mit Präparaten aus? Woher bekommen  Sie Ihre Präparate?

DS: Erstens: ich liebe Tiere. Deswegen ist es mir auch ganz besonders wichtig, dass meine Präparate alle von einer legalen und artgerechten Herkunft sind.

Das Zebra, welches zum „Löwenzebra“ wurde, ist beispielsweise in einem deutschen Zoo an Altersschwäche gestorben und wurde nicht für mich in Afrika erlegt. Das kann gelegentlich auch bedeuten, dass sich meine Arbeiten über längere Zeit nicht realisieren lassen, da ich erst darauf warten muss, bis ich Tiere bekomme, die diese wichtigen Voraussetzungen erfüllen. 

Paul McCarthy: Mechanical Pig, 2005/ Foto: Mischa Nawrata, Wien (c) Paul McCarthy

Paul McCarthy: Mechanical Pig, 2005/ Foto: Mischa Nawrata, Wien (c) Paul McCarthy


Welche Werke anderer Künstler finden Sie besonders inspirierend?

DS:  Kunst, die ernste Themen über den Weg des Humors darstellt, erreicht mich am besten. Auch die technische Umsetzung ist für mich ein ganz wesentlicher Punkt in der Beurteilung von eigenen und fremden Arbeiten.

Selbstverständlich ertappe ich mich immer wieder dabei, dass Künstler, die ebenfalls mit plastischen Tieren arbeiten, mich besonders faszinieren. So ist die Arbeit „Mechanical Pig“ von Paul McCarthy sicherlich eines meiner Lieblinge aus der Ausstellung „Festival der Tiere“. Kunst, die sich erst durch das Lesen von theoretischen Texten erschließt, berührt mich nur selten. So bin ich doch eher eine Freundin von Arbeiten, die mich – wie auch immer – auf den ersten Blick packen und mir Lust darauf machen, auf den zweiten Blick das „Dahinter“ zu erkunden …

Im Rahmen von „Festival der Tiere“ gab es einen Besuch mit Kindern in Ihrem Atelier. Wie hat Ihnen die Arbeit mit Kindern gefallen?

DS:  Mit Kindern zu arbeiten ist immer wieder etwas ganz besonderes. Anfangs hatte ich Sorge, dass die Kinder womöglich keinen Zugang zu mir und meiner Arbeit finden. Wie immer, musste ich jedoch mit großer Freude feststellen, dass Kinder einen ganz besonderen Vorteil zu uns Erwachsenen haben: sie sind frei von Vorurteilen, unverblümt in ihrer Wahrnehmung und ohne jegliche Furcht direkt. Das macht die Arbeit mit ihnen so außergewöhnlich, da auch das Ergebnis ihres Schaffens in ihrer individuellen Art immer ehrlich und gut ist.

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Tiermasken (c) Deborah Sengl für das Essl Museum, Foto: Peter Kuffner

Tiermasken (c) Deborah Sengl für das Essl Museum, Foto: Peter Kuffner

Tiermasken und T-Shirts  von Deborah Sengl

Für die Ausstellung sind außerdem in einer limitierten Auflage Tiermasken mit 5 verschiedenen Motiven (Schlange, Löwe, Zebra, Fliege und Papagei), sowie T-Shirts in verschiedenen Größen mit Tierdrucken, entworfen von Deborah Sengl, entstanden.

Die Masken und T-Shirts sind auch im Bookshop im Set zum Kauf erhältlich.

Zur Ausstellung: >FESTIVAL DER TIERE< 2011.

Zur Personale: >Deborah Sengl – Die letzten Tage der Menschheit< 2014

 

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