Devil in the Details – Der Käfer im Kiefer

Anselm Kiefer Dia-Lyse, 2006 Öl, Emulsion, Schellack und Erde auf Holz / Oil, emulsion, shellac and soil on board 285 x 140 x 8 cm © Anselm Kiefer Fotonachweis: Lothar Schnepf, Köln

Anselm Kiefer Dia-Lyse, 2006 Öl, Emulsion, Schellack und Erde auf Holz / Oil, emulsion, shellac and soil on board 285 x 140 x 8 cm © Anselm Kiefer Fotonachweis: Lothar Schnepf, Köln

Auch zeitgenössische Kunst muss kontinuierlich restauratorisch betreut werden. Im Essl Museum sorgt ein Team von spezialisierten Fachkräften für die Pflege des  mittlerweile 7000 Werke umfassenden Sammlungsbestand. Aktuell geht eine wochenlange Behandlung eines von Schädlingen befallenen Werkes zu Ende.

Stickstoffbehandlung einiger Werke Anselm Kiefers im Essl Museum

In der modernen und zeitgenössischen Kunst werden oftmals organische und damit vergängliche Materialien eingesetzt, deren Verfall durch äußere Einflüsse zusätzlich beschleunigt werden kann. Dazu gehören, neben ungünstigen klimatischen Einflüssen, auch Mäuse, Insekten, Käfer oder Pilze, die in ihrem natürlichen Lebensraum zwar eine wichtige Funktion erfüllen, aber im Zusammenhang mit Kunst- und Kulturwerken als Schädlinge bezeichnet werden.

So musste bei einer Arbeit von Anselm Kiefer, der ephemere Materialien wie  Hölzer, getrocknete Pflanzen,

Anselm Kiefer Dia-Lyse, 2006 (Detail), Foto: Ute Kannengießer

Anselm Kiefer Dia-Lyse, 2006 (Detail), Foto: Ute Kannengießer

Früchte, Blüten und auch Haare auf seine Werke appliziert, ein Schädlingsbefall festgestellt werden. In einem, in weiße Farbe getauchten Palmblatt, waren Ausflugslöcher von Käfern zu beobachten, der Pflanzenstengel ist komplett zerfasert. Bohrmehl und tote Käfer im Rahmenprofil bestätigten den Verdacht auf einen akuten Befall.

Es musste ein Ausbreiten der Schädlinge verhindert werden, nicht nur aus Gefahr der fortschreitenden Zerstörung an den befallenen Werken, sondern auch um ein Übergreifen auf andere Kunstwerke zu vermeiden.

Der Käfer konnte bisher nicht bestimmt werden. Es wird vermutet, dass er aus dem orientalischen Herkunftsland des Palmblattes stammt.

Der Käfer konnte bisher nicht bestimmt werden. Es wird vermutet, dass er aus dem orientalischen Herkunftsland des Palmblattes stammt.

Für diesen Zweck hat sich in den letzten Jahren eine Stickstoffbehandlung etabliert, bei der Schädlinge zwar erfolgreich bekämpft werden, aber die Materialien der Kunstwerke keine Veränderung erfahren.

Die Assanierungsgesellschaft Michael Singer aus Wien  wurde beauftragt ein, für die Stickstoffbehandlung notwendiges Folienzelt inkl. der technischen Geräte vorzubereiten. Und nachdem auch auf anderen Arbeiten von Anselm Kiefer Applikationen von ephemeren Materialien vorliegen, wurde deren präventive Behandlung bei der Kubatur des Folienzeltes mit berücksichtigt.

Miriam Singer, von der Firma Singer, die die Schädlingsbekämpfung durchgeführt hat, erklärt die Vorgehensweise:

„Zu Beginn wurde in einem der Depots des Essl Museums ein spezielles, an die Größe der Objekte von Anselm Kiefer angepasstes Folienzelt errichtet. Ebenso wurden Geräte zur Regulierung von Temperatur und Feuchtigkeit im Zelt installiert, um während der Behandlungszeit ein konstantes Klima innerhalb des Zeltes sicher zu stellen.

Stickstoffzelt im Depot , Foto: Ute Kannengießer

Stickstoffzelt im Depot , Foto: Ute Kannengießer

Das Stickstoff-Verfahren eignet sich besonders gut für Kunstobjekte, da es vollkommen unbedenklich für Materialien jeglicher Art ist. Die zu begasenden Objekte werden in eine sauerstoffarme Atmosphäre versetzt, die einen biophysikalischen Austrocknungseffekt bei den vorhandenen Schädlingen bewirkt.

Ein bedeutender Vorteil des Verfahrens ist auch die Durchführbarkeit in Räumlichkeiten, in denen sich gleichzeitig Personen aufhalten müssen. Während der Behandlungszeit von 5 Wochen ist das Depot jederzeit zugänglich.“

Nach Abschluss der Behandlung können nun die Werke Anselm Kiefer’s wieder gefahrenlos im Depot gelagert werden – bis zur nächsten Ausstellung.

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