>die zukunft der malerei< – 3 Fragen an Günther Oberhollenzer, den Kurator der Ausstellung

ImageWelche jungen malerischen Positionen gibt es in Österreich zu entdecken? Diese Frage stellt das Essl Museum heuer in der Ausstellung „die zukunft der malerei“ im Rahmen der Ausstellungsreihe „emerging artists“. Das Essl Museum versteht sich nicht nur als Ort für etablierte Künstlerinnen und Künstler, sondern auch als Experimentierfeld für junge, noch nicht stark im Kulturbetrieb sichtbare Kunst.

Barbara RoycBarbara Royc (Social Media Redaktion): Die Reihe >emerging artists< legt alle 2 Jahre einen  Fokus auf zu entdeckende Künstler und Künstlerinnen einer Region. Wie ist diese Ausstellungsreihe entstanden und was erwartet die Teilnehmer?

Günther Oberhollenzer Günther Oberhollenzer (Kurator): Als das Essl Museum 1999 eröffnet wurde, war es dem Sammlerehepaar Agnes und Karlheinz Essl ein besonderes Anliegen, einen Schwerpunkt des zukünftigen Ausstellungsprogramms der aktuellen jungen Kunstszene zu widmen. Die damalige künstlerische Leiterin Gabriele Bösch hat dafür ein stimmiges Konzept vorgelegt: Die Ausstellungsserie mit dem Titel >emerging artists< setzte sich zum Ziel, junge, aktuelle Kunst, in einem musealen Umfeld zu präsentieren. Als idealer Raum bot sich der „concrete cube“ im Sammlungsdepot an. Im Laufe von vier Jahren (2000-2003) wurden hier ca. 40 Einzelkünstlerpositionen präsentiert. Nach einjähriger Konzeptions- und Orientierungsphase wurde die Ausstellungsserie >emerging artists< 2005 in geänderter Form fortgesetzt. Statt Einzelpräsentationen fanden ab nun Gruppenausstellungen statt, die der noch nicht stark in der Öffentlichkeit sichtbaren Kunstszene gewidmet waren. Ab 2006 fand die Ausstellungsreihe alle zwei Jahre statt – alternierend mit dem >Essl Art Award CEE<.

Die erste, 2005 von Christine Humpl kuratierte Gruppenausstellung trug den Titel >hotspots< und gab Einblicke in aktuelle Kunstszenen aus Amsterdam, Berlin, London, Paris und Wien. 2006 richtete das Essl Museum den Blick auf die Schweiz (Kuratoren waren Daniela Balogh und Andreas Hoffer). 2008 stand mit >AUSTRIAconTEMPORARY< die österreichische Kunst im Focus, mit über 1000 Bewerbungen das bis dahin aufwändigste Projekt der Reihe (Kuratoren: Christine Humpl und ich als Kokurator), 2010 widmeten wir uns mit >India Awakens< der indischen Kunstszene (Kuratorin: Alka Pande) und 2012 schließlich mit >New. New York< junger Kunst aus dem Big Apple (Kurator: John Silvis).

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von >die zukunft der malerei< erwartet also ein Ausstellungsprojekt, das auf eine inzwischen fast 15-jährige Tradition zurückblickt. Wir planen rund 15 bis 20 künstlerische Positionen auszuwählen und diese in unserer Ausstellungshalle – begleitet von einem umfassenden Katalog – zu präsentieren. Ein so ambitionierte Ausstellungsprojekt für junge, noch nicht etablierte Kunstschaffende in einem Museum für Gegenwartskunst ist sehr ungewöhnlich, aber für uns ein klares Statement für die Zukunft einer Kunst, bei der noch alles offen ist – eine so notwendige Förderung, die in dieser Konsequenz in Österreich nur von diesem privat geführten Museum wahrgenommen wird.

B.R. : Diesmal steht die Ausstellung ganz im Zeichen österreichischer Malerei, sozusagen eine Österreich-Edition. Wer kann sich den bewerben?

G.O.: Bewerben können sich österreichische Künstlerinnen und Künstler bzw. solche, die in Österreich leben und arbeiten. Die österreichische Staatsbürgerschaft ist keine Voraussetzung, in diesem Fall muss aber der künstlerische Arbeitsschwerpunkt während der Bewerbungs- und Auswahlphase in Österreich liegen. Die Bewerbungszeit läuft bis Mitte April 2014. Im Sinne der >emerging artists< – Ausstellungsreihe sollen die Werke der Bewerberinnen und Bewerber noch nicht stark am Kunst- und Ausstellungsmarkt sichtbar sein. Ganz wichtig ist uns, dass es kein Alterslimit gibt, da wir die Meinung vertreten, dass man auch mit über 30 oder 35 Jahren noch spannende Kunst schaffen kann, die es wert ist, entdeckt zu werden.

Diese Mal haben wir uns entschieden, den Fokus auf die Malerei und Grafik zu setzen (dies schließt aber z.B. multimediale Erweiterungen dieser Medien oder mixed media – Arbeiten nicht aus). Das ermöglicht eine vertiefende Auseinandersetzung mit diesen „klassischen“ Medien der zeitgenössischen Kunst, und offen gesagt sind wir einfach auch neugierig, was gerade malerisch in der österreichischen Kunstszene momentan so passiert.

B.R.: Malerei wurde bereits 100 Mal totgesagt. Zuletzt beschäftigten sich aber zum Beispiel Tate Britan mit der Ausstellung „Painting Now: 5 Contemporary Artists“ und „curated by“ 2013 mit dem Zustand der Malerei. Was könnte die Zukunft der Malerei sein?

G.O.: Die Malerei ist so alt wie die Menschheit. Sie wird es immer geben, ist und bleibt sie doch eine der unmittelbarsten Ausdrucksformen künstlerischer Vorstellungskraft und Kreativität: Ein Pinsel. Eine Leinwand oder ein Blatt Papier. Das genügt. Und eine ganze Welt kann entstehen. Deshalb mache ich mir über die Zukunft der Malerei keine Sorgen.

Neugierig bin ich aber darauf, wie diese Zukunft aussehen wird. Ich hoffe und wünsche mir, dass wir von malerischen Positionen überrascht werden, das wir bei den geplanten Atelierbesuchen Kunstwerke entdecken, die uns sprachlos machen, die eine Malerei mit ganz neuen Facetten zeigen. Auch sind wir neugierig auf künstlerische Positionen, die dieses Medium kritisch hinterfragen oder ihre Grenzen ausloten. Aber es muss die Malerei nicht neu erfunden werden. Ein starkes Bild kann, egal ob figurativ oder abstrakt, in Öl oder Acryl, mit seiner malerischen Kraft uns nach wie vor begeistern und berühren, uns aufregen, zum Nachdenken anregen oder auch in Kontemplation versetzen. Ich freue mich jedenfalls auf die hoffentlich zahlreichen Bewerbungen!

Die wichtigsten Facts zur Bewerbung:

Zur Einreichung zugelassen sind Malerei und Grafik.

Der Bewerbungszeitraum ist von 15. Februar bis zum 15. April 2014.

Nur online-Bewerbungen werden akzeptiert!

Den detaillierte Leitfaden mit den Voraussetzungen für die Bewerbung finden Sie hier.

Bitte diese Angaben vor der Bewerbung genau durchlesen!

Hier geht es direkt zur online-Bewerbung: www.diezukunftdermalerei.org

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s