Karlheinz Essl über seine Ausstellung „made in austria“ – Teil 1: Hundertwasser und Weiler

In einer Blog-Serie stellt Sammler und Kurator Karlheinz Essl seine Ausstellung >made in austria< vor. Diesmal: Hundertwasser und Weiler

Mit der zentralen Ausstellung des Jahresschwerpunktes „made in Austria“ möchte ich als Sammler und Museumsdirektor ein leidenschaftliches Statement für die österreichische Kunst abgeben. Nach langen Überlegungen und auch im Wissen um meine Verantwortung habe ich eine Künstler- und Werkauswahl getroffen. Für mich repräsentiert sie die Bedeutung der einflussreichen österreichischen Künstler unserer Zeit. Mir ist durchaus bewusst, dass meine Auswahl auch auf Kritik stoßen kann. Es handelt sich um meinen persönlichen Blick auf das Kunstgeschehen – eine subjektive Zusammenstellung, die keinen kunsthistorischen Anspruch erhebt. Die Ausstellung zeigt meinen Blick in die Sammlung, meine Sicht auf die österreichische Kunstgeschichte nach 1945. Ich zeige jene Schwergewichte, die ihre Spuren deutlich in der österreichischen aber auch in der internationalen Kunstwelt hinterlassen und das weltweite Kunstgeschehen beeinflusst haben. Dafür habe ich siebzehn Künstlerinnen und Künstler mit bedeutenden Werken aus unserer Sammlung ausgewählt.

Aus der Vielzahl der Möglichkeiten eine Auswahl zu treffen, war eine große Herausforderung. Allein die Ausstellungsräume machen eine Beschränkung notwendig, zusätzlich sollte die Ausstellung nicht beliebig sein. Deshalb habe ich mich bewusst auf relativ wenige Künstlerinnen und Künstler beschränkt, auch damit jede künstlerische Position mit einer Reihe von wesentlichen Werken in ihrer Bedeutung wahrgenommen werden kann und die einzelnen Kunstwerke viel Raum für die Betrachtung haben. In der Werkauswahl verfolge ich keinen retrospektiven Ansatz, sondern lege großen Wert auf eine Konzentration auf einige wichtige Werkgruppen. Das heißt aber nicht, dass nur die hier gezeigten Künstlerinnen und Künstler für mich wichtig sind. Ganz im Gegenteil. Meine Frau und ich schätzen alle Künstlerinnen und Künstler in unserer Sammlung. Durch das Jahresprogramm „made in austria“ gibt es neben dieser Ausstellung eine Reihe weiterer Möglichkeiten, Sammlungskünstler in ganz unterschiedlichen Kontexten wiederzusehen.

Erster Galerieraum – Friedensreich Hundertwasser und Max Weiler

Es wird vermutlich viele wundern, Friedensreich Hundertwasser und Max Weiler zusammen in einem Raum zu sehen. Beide sind von mir hoch geschätzte Künstler, und beide haben die Natur als ihr künstlerisches Thema auserwählt.

Für Friedensreich Hundertwasser ist die Natur die existenzielle Grundlage seiner Kunst aber auch seines Lebens. Er war der erste Ökologe und auch ein Vorreiter der Grünenbewegung. Die Natur ist für ihn das Allumfassende. Hundertwasser hatte drei Wohnsitze: einen in der Normandie (einen großen Bauernhof, wo er dutzende Bäume gepflanzt hat), einen in Venedig (einen Palazzo mit Garten) und einen in der „Bay of Islands“ in Neuseeland (ein altes Farmgebäude mit 190 Hektar Grund, er hat dort 150.000 Bäume gepflanzt). Er lehnt die gerade Linie ab, da es sie in der Natur nicht gibt. Deshalb prägen organische, vegetative Formen, der Kreis und insbesondere die Spirale, seine Kunst.

„Die gerade Linie führt zum Untergang der Menschheit. Die Spirale ist das Symbol des Lebens und des Todes. Die Spirale liegt genau dort, wo die leblose Materie sich in Leben umwandelt.“ Friedensreich Hundertwasser

Als sinnstiftendes Element des Lebens symbolisiert sie das Dasein und Vergehen, das Werden und Entstehen. Ein weiteres wesentliches Element seiner Kunst ist das Wasser. Hundertwasser liebt den Regen und entwirft 1972 die „Regentage-Mappe“, eines der ersten Kunstwerke, das meine Frau und ich angekauft haben. Neben seiner Malerei hinterlässt der Künstler auch ein umfangreiches architektonisches Werk, wofür ihm ebenfalls die Natur als Ausgangspunkt diente. Ich schätze seine Arbeiten vor allem bis Anfang der 1960er-Jahre und bis dahin haben wir sie auch gesammelt.

Den Werken von Hundertwasser aus den 1950er- und 60er-Jahren stehen Arbeiten von Max Weiler aus der selben Zeit gegenüber. Leben und Werk Weilers sind in einem untrennbaren Zusammenhang zu sehen, sie spiegeln die spirituelle, geistige und philosophische Haltung des Künstlers wider. Weiler war stets ein unangepasster, revolutionärer Künstler – eine eigene, unverwechselbare Position in der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts, die keiner der gängigen Stilrichtungen zuzuordnen ist. Der Künstler sieht – geprägt durch die katholische Neulandbewegung in den 1930er-Jahren, besonders aber auch durch die altchinesische Landschaftsmalerei, speziell aus der Periode der Sung-Dynastie (960–1279) – das Spirituelle in der Natur, er führt die kontemplative Versenkung in die Schöpfung über in eine gegenstandslose Malerei.

„Diese Bilder sind ganz künstliche Landschaften, künstliche Formen, die Natur suggerieren sollen. Erfindungen meiner eigenen Landschaften. Erfundene Formen neuerer Naturen in schönen Faren. Gebilder der Phantasie, Andenken an Formen der Wirklichkeit.“ Max Weiler

In Malereien der 1950er-Jahre abstrahiert Weiler Naturformen immer mehr, in der wegweisenden Werkserie „Wie eine Landschaft“ der 60er-Jahre nimmt er Probierpapiere als Vorlage für seine großformatigen vergeistigten Landschaftsmalereien. Diese Werkserie stellt einen zentralen Wende- und Höhepunkt in seinem künstlerischen Schaffen dar. Die spirituelle Landschaftsbetrachtung Weilers tritt damit in einen spannungsvollen Dialog mit den vegetativen Naturformen Hundertwassers.

Führungstipp: Am Sa, den 12.04. um 16.00 Uhr und am Mi, den 11.06. um 19.00 Uhr führt Sammler Karlheinz Essl durch seine Ausstellung. Die Führung ist kostenlos. Um Anmeldung wird gebeten: 02243 / 370 50 150.

Die Ausstellung >made in austria< ist noch bis 24.08. im Essl Museum zu sehen.

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