Sammlungskünstlerin Esther Stocker auf Schloss Kastelbell

(13.04. – 09.06.2014)
Auf Schloss Kastelbell in Südtirol findet derzeit eine sehenswerte Ausstellung der Künstlerin Esther Stocker statt. Stocker ist in der Sammlung Essl mit einer Reihe von Werken vertreten, 2007 gestaltete sie im Rahmen der Ausstellung >Passion for Art< das Stiegenhaus des Essl Museums mit ihren unverwechselbaren Schwarz-Weiß Rastern. Das Schloss Kastelbell stellte eine besondere Herausforderung für die Künstlerin dar, bespielte sie doch mit Ihrer sehr reduzierten Bildsprache eine mittelalterliche Burg. Bei der Vorbereitung und der Umsetzung dieser sehr außergewöhnlichen Ausstellung durfte ich die Künstlerin begleiten und unterstützen.

 

Innenhof von Schloss Kastelbell mit einer Installation von Esther Stocker (Foto: Günther Oberhollenzer)

Innenhof von Schloss Kastelbell mit einer Installation von Esther Stocker (Foto: Günther Oberhollenzer)

Esther Stocker stammt aus Südtirol und hat in Wien, Mailand und Pasadena, Kalifornien studiert. Derzeit lebt und arbeitet sie vor allem in Wien. Stocker gilt als eine der international erfolgreichsten Künstlerinnen Südtirols. Seit Ende der 1990er Jahre hat sie zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Österreich und international bestritten, wobei sie immer wieder auch aufwändige Installationen und beeindruckende künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum geschaffen hat.
Die Ausstellung auf Schloss Kastelbell entstand in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin, Esther Stocker gelingt dabei ein spannungsreicher und auch unsere Wahrnehmung herausfordernder Kontrast wie auch Dialog zwischen den alten Gemäuern und ihren minimalistisch klaren Objekten, abstrakten Mustern und Formen. Zwei Installationen entstanden eigens für die Ausstellung: den Innenhof bespielt Stocker mit massiven Göflaner Marmorblöcken und einen Ausstellungsraum verändert sie nachhaltig mit schwarzen Balken, Dreiecken und Kreisen. Daneben sind in den verschiedenen Räumen zahlreiche Fotografien, malerische Werke und Objekte der letzten Jahre zu sehen.

 

v.l.n.r.: Günther Oberhollenzer, Esther Stocker, Kulturlandesrat Philipp Achammer, Bürgermeister Gustav Tappeiner, Georg Wielander vom Kuratorium Schloss Kastelbell  (Foto: Eva Böhm)

v.l.n.r.: Günther Oberhollenzer, Esther Stocker, Kulturlandesrat Philipp Achammer,
Bürgermeister Gustav Tappeiner, Georg Wielander vom Kuratorium Schloss Kastelbell
(Foto: Eva Böhm)

 

Bereits früh herrschte in Esther Stockers Kunst das geometrische Motiv des Rasters vor, ebenso wie eine auf Schwarz, Weiß und Grautöne reduzierte Farbpalette. Ein zentrales Thema ist die „Darstellung eines funktionalen Systems des Ungefähren, die Vagheit exakter Formen“. Stocker beschäftigt sich mit der Frage nach der Wahrnehmung von Struktur und Raum. Die Dekonstruktion exakter Formen ist für sie Ausgangspunkt der Malereien, Fotoarbeiten, Rauminstallationen und Interventionen an Fassaden. Ihre Arbeiten entwickelt sie als System geometrischer Zeichen- und Rastersysteme in Schwarz-Weiß-Grau. Diese erweitert sie auch in die dritte Dimension und verändert durch künstlerische Eingriffe Raum und Architektur, wobei Störungen und optische Brüche einen wichtigen Bestandteil bilden. „Das Raster oder die Ordnung brauche ich“, so die Künstlerin, „um überhaupt erst eine Abweichung davon beschreiben zu können. Systemlosigkeit lässt sich nur durch Systeme beschreiben, sie ist Teil des Systems. Hinter einem Chaos ist immer auch eine Art Ordnung.“ Die Störungen und Brüche sind oft minimal und verursachen verschobene vage Wahrnehmungsereignisse, die das Betrachten dieser scheinbaren Präzision wiederholt einfordern. So erzeugt die Künstlerin dynamische Bildräume, die ihr vermeintlich klares Ordnungsmuster verlieren.

 

O.T., Installation, 2014 (Foto: Cornelia Kupa)

O.T., Installation, 2014
(Foto: Cornelia Kupa)

O.T., 2013 (Foto: Günther Oberhollenzer)

O.T., 2013
(Foto: Günther Oberhollenzer)

 

Sehr überraschend sind auch die neuen Raumobjekte: Stocker bemalt riesige Papierbögen mit verschiedenen, durchaus typischen, geometrisch schwarz-weißen Mustern und verwandelt sie durch Zerknittern und Falten in Objekte, die man mit Papierknäuel wohl am treffendsten beschreibt. Im Alltag zerknittert man Papier, um Geschriebenes unleserlich zu machen, übertragen auf ihre Arbeit, geht es hier um das bewusste Stören oder Löschen von Informationen. Der gesamte Raum wird gekrümmt, gebogen; es entstehen Störungen und Fehler, die nicht mehr behoben werden können.

 

O.T., Installation, 2014
(Foto: Günther Oberhollenzer)

 

Esther Stocker arbeitet in unterschiedlichen Medien, dennoch bezeichnet sie sich – auch bei den Installationen – als Malerin. Der dreidimensionale Raum wird wie ein Bildraum behandelt, sie überträgt das gedankliche Erlebnis, in ein Bild hineinzugehen und darin herumzuwandern in den realen Raum. Beim Durchschreiten der Installation steht der Betrachter mitten im Bild und kann durch Bewegung ganz unterschiedliche Blickwinkel einnehmen und den Raum immer wieder neu erfahren. Dadurch vollendet er erst das Werk, so die Künstlerin.

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s