Die ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente und Alin Bozbiciu gehen ihren Weg

Die rumänische Stadt Cluj hat in den letzten Jahren durch eine äußerst vitale Kunstszene, insbesondere auf dem Feld der Malerei weit über die Grenzen des Landes für Aufsehen gesorgt. Auf Einladung der Südtiroler Galeristin Doris Ghetta besuchte Kurator Günther Oberhollenzer im Frühjahr 2014 zahlreiche Künstlerateliers in Cluj, um einen Einblick in die aktuelle Kunst dieser Region zu gewinnen. Daraus wurden fünf Künstlerinnen und Künstler für die Ausstellung „Tales of the Valley“ ausgewählt, darunter auch die ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente (2011) und Alin Bozbiciu (2013).

Viel ist in den letzten Jahren von Malerei aus Cluj zu hören gewesen. Deshalb nahm ich die Einladung der Galeristin Doris Ghetta gerne an, mir für einige Tage Anfang Mai vor Ort ein Bild der dortigen Kunstszene zu machen. Auf unserer Reise begleiteten uns der Südtiroler Architekt Igor Comploi, die Südtiroler Künstler Robert Bosisio, Willi Crepaz und Walter Moroder sowie die rumänische Künstlerin Teodora Axente. Axente war uns eine große Hilfe, sie stellte zahlreiche Künstlerkontakte her und führte uns durch die Künstlerbezirke (wie z.B. der bekannten Fabriksanlage „fabrica de pensule“). Unterstützung erhielten wir aber auch von Bosisio, der in Cluj seine zweite Heimat gefunden hat und viele der dort lebenden Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Laufbahn gefördert hat. Wir besuchten rund zwanzig Ateliers – eine intensive, spannende Erfahrung, es war ein große Freude, so viele interessante wie unterschiedliche Menschen und ihre künstlerischen Welten kennen zu lernen. Nach dem Ende der Atelierbesuche und intensiven Diskussionen wählten wir schließlich fünf künstlerische Positionen aus. In der noch bis Oktober laufenden Ausstellung „Tales of the Valley“ in Pontives (Südtirol) sind neue Malereien von Teodora Axente, Alin Bozbiciu, Oana Farcas und Sergiù Toma sowie neue Zeichnungen von Dan Beudean zu sehen.

Die Malereiszene in Cluj ist sehr lebendig und vital – dieser Eindruck hat sich bei meinem Besuch verfestigt. Die Künstlerinnen und Künstler schöpfen aus der malerischen Tradition des Landes (wie etwa dem Sozialistischen Realismus) und versuchen doch, ihre ganz eigene, individuelle künstlerische Sprache zu finden. Das ist nicht immer leicht und gelingt nicht immer – nicht zuletzt auch aufgrund des Hypes, der in den letzten Jahren rund um die dortige Malerei betrieben wurde. Schon ist vom „neuen Leipzig“ die Rede und Sammler, Kuratoren und Galeristen aus der halben Welt pilgern in die Stadt, auf der Suche nach jungen Talenten für die nächste Ausstellung, die nächste Kunstmesse, das nächste Kulturevent. Die verstärkte Aufmerksamkeit von außen wird in Cluj natürlich positiv gesehen, gibt es doch kaum kaufkräftige Sammler innerhalb Rumäniens und viele träumen wohl von einer Karriere außerhalb ihres Heimatlandes. Doch gleichzeitig ist damit für die Künstlerinnen und Künstler auch ein großer Druck verbunden – der Druck, den in sie gestellten Erwartungshaltungen nicht gerecht zu werden. Damit verbunden ist aber auch die Gefahr einer Selbstüberschätzung und die Versuchung, gefällige Werke nach dem ausländischen Geschmack zu „produzieren“. So war es für mich nicht nur spannend, die künstlerischen Arbeiten zu sehen sondern auch, wie Künstlerinnen und Künstler mit dem „Ruhm“ und den ersten Erfolgen umgehen.

Ich bin überzeugt, dass die fünf in der Ausstellung zu sehenden Künstlerinnen und Künstler es geschafft haben, ihre eigene künstlerische Sprache zu finden und sie selbstbewusst ihren Weg gehen werden, unabhängig davon, wie lange die Aufmerksamkeit der Kunstwelt anhält und wie lange es dauern wird, bis der Tross der sogenannten Kunstexperten weiterzieht, um sich auf die Suche nach dem nächsten Hype zu machen. Exemplarisch möchte ich die künstlerische Arbeit der zwei ESSL ART AWARD CEE – Preisträger Teodora Axente und Alin Bozbiciu kurz vorstellen.

 

„Für mich drücken Farben Wörter und Gefühle aus, es ist wie eine Therapie, aber in gleichem Maße auch eine Möglichkeit, die Welt zu erkunden und zu bezwingen“, sagt Teodora Axente.

„Ich empfinde die Welt als große Bühne mit wechselnden Schauspielern. Durch die Adaptierung der Erfahrungen, die andere Menschen in der Welt machen, erkenne ich meine eigenen.“ In persönlichen und intimen Bildrätseln erforscht die Künstlerin malend ihr eigenes Universum – ihre Vergangenheit, ihre Ängste, ihre Verkleidungen. Axente inszeniert die Szenen selber, sie kleidet ihre Modelle mit selbst geschneiderten Gewändern ein und macht dann Fotos, die ihr als Vorlage für ihre sehr freien Malereien dienen. „Für mich drücken Farben Wörter und Gefühle aus, es ist wie eine Therapie, aber in gleichem Maße auch eine Möglichkeit, die Welt zu erkunden und zu bezwingen.“

Derzeit beschäftigt sich Axente vor allem mit der Dualität zwischen Körper und Geist, zwischen Gut und Böse, inspiriert von den Psalmen aus dem Buch David. In den neuen, meisterlich ausgeführten Malereien begegnen dem Betrachter etwa eine weibliche Gestalt, die von einer schimmernd transparenten Folie (göttlichen) Schutz erfährt, während aus dem Mund einer anderen Figur goldene Streifen als Symbol für das Dunkle und Böse herausquillen. „Die Situation meiner Figuren ist ein Spiegel der inneren, zutiefst persönlichen Erfahrung“, betont die Künstlerin.

Das zentrale Thema meiner Malereien ist die intime Beziehung des Menschen mit seinem Umfeld und wie er seine Umwelt wahrnimmt“, erzählt Alin Bozbiciu.

„Dabei galt mein Interesse auch immer schon der Verbindung zwischen Menschen und Tieren.“ So ist es nicht verwunderlich, dass neben Menschendarstellungen auch Tiere wie Hunde oder Tauben häufig Bozbicius Bilder bevölkern. Doch weit aufregender als die alltäglichen Bildmotive und ihr Setting sind deren malerische Umsetzung: Die figurativen Formen verschwimmen und lösen sich zusehends auf, die verwaschene, nebulöse Malerei in Braun- und Grautönen entwickelt eine sich steigernde Eigendynamik und wird zum eigentlichen Bildgegenstand. Bozbiciu gelingen damit malerische Welten von großes Offenheit und Unmittelbarkeit.

Die Kunstwerke vereint ein überaus meisterhafter Umgang mit erzählerischer Figuration. Doch so leicht lesbar die Malereien und Zeichnungen im ersten Moment erscheinen, bei genauer Betrachtung verklären sie sich, sie werden mehrdeutig und geheimnisvoll.

TALES OF THE VALLEY                                                                  

a group show of artists of Cluj

with Teodora Axente, Dan Beudean, Al in Bozbiciu, Oana Farcas, Sergiù Toma

5.7. – 1.10.2014

Galleria Doris Ghetta, Pontives, Südtirol / Italien

kuratiert von Günther Oberhollenzer

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