Der Beginn der Aboriginal Art

von Maria-Theresia Moritz

Mit frühen Gemälden aus Papunya Tula (südliches Northern Territory) und den Mimih Spirits aus Maningrida an der Küste von Arnhem Land (nördliches Northern Territory) eröffnen sich die geheimnisvollen Anfänge der Aboriginal Art.

Einer der ersten Maler in Papunya war Uta Uta Tjangala dessen Bilder auf wichtigen Gesangszyklen und Dreaming-Plätzen basieren. In >Euro (Känguru) Geschichte<, 1972, berichtet er von einer zentralen Wasserstelle, die von vier Schlangen bewohnt wird. Die rechte untere Ecke wird von einem männlichen Euro (Känguru) beherrscht. In den Ecken oben finden sich zwei weibliche Kängurus und von allen vier Seiten laufen die Spuren von Händen, Füßen und Schwänzen der Tiere auf die Wasserstelle zu.

Clifford Possum Tjapaltjarri, Two Snakes at Alinittiti, 1972 © Bildrecht Wien, 2015, Foto: Graham Baring, courtesy Sotheby's Melbourne

Clifford Possum Tjapaltjarri, Two Snakes at Alinittiti, 1972 © Bildrecht Wien, 2015, Foto: Graham Baring, courtesy Sotheby’s Melbourne

Die meisten Künstler der ersten Generation aus Papunya Tula waren ursprünglich Viehhirten. Clifford Possum Tjapaltjarri, der ursprünglich mit Schnitzfiguren bekannt wurde, war einer der führenden Vertreter der Papunya Tula-Bewegung.

In seinem Bild >Zwei Schlangen in Alinittiti<, 1972, erzählt er die Geschichte zweier Schlangen an einem Wasserloch: „Wenn sie in das Wasserloch hinein- und hinausgleiten, hinterlassen sie ihre Spuren, sie kreuzen einander und verbinden ihre Spuren. Sie verlassen die Wasserstelle in verschiedene Richtungen und wenn sie sich entfernen, fallen kleine Wassertropfen von ihren Körpern und bilden kleine Wasserstellen entlang des Weges.“* Er und sein Bruder Tim Leura Tjapaltjarri wurden nordwestlich von Alice Springs geboren und schufen Gemeinschaftswerke, die sich besonders durch ineinander verwobene Erzählungen ihrer „Dreamings“ auszeichneten. Die typischen Punkte der als „Dotpainting“ bekannten Stilrichtung sind bei Clifford P. Tjapaltjarri ästhetisch zu betrachten und haben keine symbolische Absicht.

Johnny Warangkula Tjupurrula, Cave Corroboree Dreaming, 1971 © Bildrecht Wien, 2015, Foto: Graham Baring, courtesy Sotheby's Melbourne

Johnny Warangkula Tjupurrula, Cave Corroboree Dreaming, 1971 © Bildrecht Wien, 2015, Foto: Graham Baring, courtesy Sotheby’s Melbourne

Bei Kaapa Mpetyane Jampijinpa hingegen symbolisieren die sechs getupften Kreise Wasserlöcher, zu welchen unzählige Pfeile führen. Sie stehen für die Fußspuren von Vögeln, die dort Schutz vor dem Feuer suchen. Jampijinpa verweist in seinen beiden Bildern auf die absolute Notwendigkeit von Feuer und Wasser für das Wachstum und das Überleben in Australien. Das rautenförmige Muster im anderen Bild stellt Feuer dar. Die hakenförmigen weißen Spuren gleich daneben symbolisieren Wallabys, eine kleine Känguru-Art.

Zwei Wasserstellen und fließendes Wasser symbolisiert das Bild in Rot, Weiß, Schwarz von Old Walter Tjampitjinpa, der ranghoher Hüter des Wasser-Dreamings ist. Wie er, setzt auch Jonny Warangkula Tjupurrula mit viel Farbkraft eine Höhle seiner Kindheit als dunklen, geheimen Platz mit Acryl auf Sperrholz.

Mick Namarari Tjapaltjarris Gemälde mit Sandmosaiken bildet einen starken Kontrast zu seinem Spätwerk. Dort versinnbildlichen eng aneinander liegende Punkte Staub und Hagelstürme. Er wird als einer der Vorgänger von Emily K. Kngwarreye betrachtet.

Ausstellungsansicht © bei den Künstlern, Foto: cédrickaub, Wien

Ausstellungsansicht
© bei den Künstlern, Foto: cédrickaub, Wien

Die geschnitzten Mimih Spirits aus Maningrida entstehen erst seit Anfang der 1960er Jahre, wenn auch rituelle und alltägliche Holzobjekte länger bekannt sind. Die langen schmalen Skulpturen verweisen auf Geistwesen, die in Felsen leben und oft bei der Jagd oder der Nahrungszubereitung dargestellt werden. John Mawurndjul, einer der bekanntesten Vertreter, fertigte seine Mimih Spirits aus großen Balken, die er mit Ockerfarben im Linienmuster, rarrk genannt, bemalte. Auch in seinen Rindenbildern  sind diese Geistwesen der Ahnen präsent. Er hatte als erster Aboriginal-Künstler eine Solopräsentation im Museum Tinguely in Basel.

* Zitat aus: Dreamtime, Essl Museum, 2001, S. 77

(aus dem Ausstellungsbegleiter zur Ausstellung ABORIGINAL ART im Essl Museum, noch bis 16.08.2015)

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