Rendezvous in New York

Rendezvous in New York
Das Sammlerpaar Agnes und Karlheinz Essl

Ein Rendezvous mit Folgen markiert den Beginn der Sammlung Essl und ist auch der Ausgangspunkt für die Ausstellung „Rendezvous. Meisterwerke aus der Sammlung Essl„. Agnes und Karlheinz Essl treffen einander 1959 in New York zum ersten Mal und werden ein Paar. In den folgenden Monaten tauchen sie in der pulsierenden Welthauptstadt der Kunst in die Galerien- und Museumsszene ein und entdecken dabei ihre Liebe zur Kunst, die bald zu einer lebenslangen Leidenschaft wird. Zurück in Österreich beginnen sie, eine Sammlung aufzubauen, die heute zu den wichtigsten in ganz Europa zählt und als einzige dieser Art das österreichische Kunstgeschehen seit 1945 in einem internationalen Kontext abbildet.

2010 porträtierte der Künstler Alex Katz das Sammlerpaar Agnes und Karlheinz Essl. Alex Katz Agnes and Karlheinz Essl, 2010 Öl auf Leinen / oil on canvas 122 x 244 cm © BILDRECHT Wien, 2016 Fotonachweis: Mischa Nawrata, Wien

2010 porträtierte der Künstler Alex Katz das Sammlerpaar Agnes und Karlheinz Essl. Alex Katz Agnes and Karlheinz Essl, 2010 Öl auf Leinen / oil on canvas 122 x 244 cm © BILDRECHT Wien, 2016 Fotonachweis: Mischa Nawrata, Wien

Agnes und Karlheinz Essl in New York in den 1950er Jahren. (c) Sammlung Essl Privatstiftung

Agnes und Karlheinz Essl in New York in den 1950er Jahren. (c) Sammlung Essl Privatstiftung

Karlheinz Essl zur Geschichte der Sammlung Essl:

„Sammeln wird oft mit Leidenschaft umschrieben. Dies ist für mich nur einer von vielen Aspekten und das Überraschende dabei ist, dass sich die Emotionen, Motivationen und Gefühle nicht eindeutig beschreiben lassen. Im Grunde genommen geht es um starke Gefühle, gepaart mit Neugier und Interesse, das Aufspüren neuer Entwicklungen in der Kunst und um das Entschlüsseln rätselhafter Symbole und verborgener Bildinhalte.

Aus diesem Grund war und ist es für meine Frau und für mich wichtig, den direkten Kontakt mit Künstlerinnen und Künstlern zu suchen, um im persönlichen Gesprächen die tiefer liegenden Inhalte der Kunstwerke zu ergründen. Darüber hinaus sind es einfach die Kunstwerke selbst, die begeistern, der ästhetische Genuss, aber auch die „harten Nüsse“, die es zu knacken gilt, um an den Kern heran zu kommen.

Agnes und Karlheinz Essl mit Herbert Brandl im Depot des Essl Museums. (c) Archiv Sammlung Essl

Agnes und Karlheinz Essl mit Herbert Brandl im Depot des Essl Museums. (c) Archiv Sammlung Essl

Zeitgenössische Kunst hat seit unserer ersten Begegnung mit ihr im Jahre 1959 in New York unser Leben bestimmt und verändert. Geschäft, Freizeit und Urlaub sind seitdem stark von Kunst durchdrungen. Unsere Reisen in viele Länder dieser Erde sind stets von der Kunst bestimmt. Wir besuchen Künstler in ihren Ateliers, sprechen mit Kuratoren, besuchen Museen und Galerien. Ein wichtiger Teil unserer privaten Lektüre besteht aus dem Lesen von Monografien und einschlägiger Literatur sowie dem Studieren von Katalogen. Sämtliche Kunstwerke der Sammlung wurden von uns selbst ausgesucht, teils gemeinsam, teils von einem von uns. Wenngleich es durchaus unterschiedliche Blickwinkel gibt, so hat sich doch im Laufe der Jahrzehnte gemeinsamer Kunstbetrachtung und Gespräche ein grundsätzlicher Konsens heraus gebildet. Auf Berater haben wir stets verzichtet. Natürlich ergeben sich bei Gesprächen mit Repräsentanten der Kunstwelt und bei Besuchen von Museen und Galerien immer wieder neue Erkenntnisse, die in der Sammlung ihren Niederschlag finden. Die letzte Entscheidung, ob eine Künstlerin oder ein Künstler in die Sammlung aufgenommen wird bzw. welche Werke gekauft werden, wird allerdings stets von uns getroffen.

So gesehen ist die Sammlung durchaus subjektiv, jedoch nie beliebig und durch unsere geschulten Augen geprägt. Kontinuitäten wechseln sich mit Brüchen ab, es gibt auch Kanten, die jedoch der Sammlung Kontur und Farbigkeit verleihen.

Das Sammlerpaar mit Hermann Nitsch. (c) Archiv Sammlung Essl

Das Sammlerpaar mit Hermann Nitsch. (c) Archiv Sammlung Essl

Die Sammlung hat sich aus kleinen Anfängen entwickelt. Zuerst waren es Arbeiten auf Papier von österreichischen Künstlern und erst später, als sich die wirtschaftliche Situation verbesserte, konnte man an größere Werke denken. In den 90er Jahren wurde die Sammlung auf wichtige Positionen internationaler Kunst ausgeweitet. Ich erinnere mich noch lebhaft an Situationen, als wir in Museen Werke von Morris Louis, Sam Francis, Frank Stella, Alex Katz oder die wunderbaren Arbeiten von Antoni Tapiès oder Eduardo Chillida gesehen haben. Neben der Malerei, die unser Sammlerleben stets besonders eng begleitet hat sind in den letzten 15 Jahren auch die Fotografie, zum Beispiel der Becher-Schüler oder auch Video und Installationen dazugekommen. So international unsere Sammlung auch geworden ist, die österreichische Kunst bleibt in ihr doch immer das Herzstück.“

Agnes und Karlheinz Essl, 2014, Foto: Stefanie Freynschlag

Agnes und Karlheinz Essl, 2014, Foto: Stefanie Freynschlag

In der Ausstellung „Rendezvous. Meisterwerke aus der Sammlung Essl„, die von 19. Februar 2016 bis Jänner 2017 zu sehen ist, haben zentrale Werke und künstlerische Positionen aus der Sammlung Essl ein Stelldichein. Österreichische und internationale KünstlerInnen treffen aufeinander, oft in überraschenden Konstellationen.
 
Tatsächliche Rendezvous, wie jenes von Maria Lassnig und Arnulf Rainer in den 1950er Jahren in Paris, wechseln sich mit imaginären Was-wäre-wenn Begegnungen ab: So trifft etwa Max Weiler auf Cecily Brown, Martha Jungwirth auf Asger Jorn oder Kurt Kocherscheidt auf Antoni Tàpies.
 
Fernöstliche Philosophien der Reduktion beeinflussten Künstler wie Hans Bischoffshausen, Georges Matthieu und Friedensreich Hundertwasser, ebenso wie Rainer und Lassnig. Die Begegnung mit dem Archaischen, Ursprünglichen führt sonst so unterschiedliche Künstler wie Kurt Kocherscheidt, Antoni Tàpies, Hermann Nitsch und Eduardo Chillida zusammen.
 
Mit den Schöpfungen der Natur beschäftigen sich Max Weiler und Per Kirkeby, der malerische Prozess der Transformation verbindet Weiler und die wesentlich jüngere Malerin Cecily Brown. Weitere Begegnungen zelebrieren den spontanen, entäußerten Malakt wie ihn die Künstler der COBRA Gruppe schätzen.

 

 

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